… zum Beispiel: All You Can Eat
»Hier sind mehr Promis als in der Entzugsklinik« heißt ein bezeichnender Satz im neuen Film des Regisseurs Garry Marshall. Gesagt wird er von einer Caterin namens Laura (Katherine Heigl). Ihre Aufgabe: die Silvesterparty einer New Yorker Plattenfirma mit ihren – nunja – kalten Platten auszustatten. Dass Laura im Jahre zuvor von dem »heißesten Star« dieser Firma kurz vor dem Traualtar verlassen worden war, verspricht Drama. Dass eben jener den absurden Künstlernamen »Jensen« trägt und vom kaum weniger absurden Rocker und Gelegenheitsdarsteller Jon Bon Jovi gespielt wird, verspricht hingegen… Aber lassen wir das, denn wenn es etwas Bemerkenswertes an New Year’s Eve (dt. Titel: Happy New Year) gibt, dann ist es nicht der Film selbst, sondern, dass er sich mit dem auf sich selbst angewandten Supergroup-Prinzip verwechselt: Versammele möglichst viele prominente Namen auf der Bühne und niemand wird mehr nach einem musikalischen Mehr- oder eben einem üblicherweise genreimmanenten Unterhaltungswert fragen. Einfach ALLE werden ES sehen wollen, weil SIE einfach ALLE auf EINMAL sehen können.

Quellen: messe-kantine-catering.de, Filmverleih (v.l.n.r.)
ALLES zum Preis von EINEM – All You Can Eat – ist ja ein traditionsreiches Kosumprinzip, das auf das schwedische Smorgasbord-Buffet aus der Mitte des 16. Jahrhunderts zurückgehen soll, seinen internationalen Durchbruch allerdings erst mit der Etablierung von Fernverkehrlinien der Eisenbahn erlebte. Das All-You-Can-Eat-Buffet ist eben für die möglichst umstandslosen Nahrungsaufnahme – weniger zur Sättigung, als vielmehr zum Zeitvertreib konzipiert. Wichtigste Regel: zu seinem Verzehr bedarf es keinerlei Messers, keines Schnittes also. Eine verräterische Analogie im Bezug auf New Year’s Eve. Die in ihm versammelten, bunt zusammengewürfelten Dramen, die sich in den letzten Stunden eines Jahres ereignen und gen Mitternacht zuspitzen, entziehen sich etlichen standardisierten Möglichkeiten filmischer Zubereitung (beispielsweise des Unsinn entfernenden Schnitts). Sie haben keine andere Funktion, als prominente Schauspieler und sonstige Prominente in möglichst hoher Dichte am Publikum vorbeizuschleusen und diese Massenabfertigung mit einem zugrunde liegenden Schmalspurhumanismus und seltsam provinziell vorgeführtem New Yorker Lokalpatriotismus zu verzieren. Kurz: New Year’s Eve markiert einen weiteren Tiefpunkt in der offenbar unaufhaltsem Regression der romantischen Hollywood-Mainstream-Komödie. Das Star-Personal ist noch nahezu identisch mit jenem aus früheren Garry-Marshall-Hits wie Pretty Woman (1990) oder Frankie und Johnny (1991) – allein, in Geschichte und Gestaltung wird keinerlei Sorgfalt mehr investiert. Es geht nur noch um den unmittelbaren Effekt umd die masturbatorische Ausbeutung der aus sich selbst geborenen Prominentenliga. Da bleiben derzeit nur: Filmboykott und Unmutsäußerungen in schriftlicher Form an die verantwortliche Produktionsfirma, die schließlich mit Nightmare on Elm Street, Sieben, Austin Powers oder Magnolia immer wieder bewiesen hat, dass sie FILMEN durchaus KANN. Und: es muss daran erinnert werden, welche Filme einiger PROMINENTER aus New Year’s Eve sich WIRKLICH zu sehen lohnen, selbst wenn sie zu deren Nebenwerken gehören, mitunter gar gescheitert sind. Denn Scheitern ist nicht schlimm, kann der Unterhaltung gar dienlich sein, es sei denn, es es geschieht – wie im Fall von New Year’s Eve – mit Vorsatz und aus übersatter Selbstgefälligkeit.
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