… zum Beispiel: das Schwarze auf dem Weißen

Samuel Fuller, geboren 1912 in Worcester, Massachusetts, 1997 gestorben in Hollywood, jobbte mit 12 Jahren als Newsboy, übernahm dann als Copyboy Botengänge für eine große Tageszeitung und wurde mit 17 Jahren der jüngste Kriminalreporter New Yorks. Sein von Jugend an zweckdienlich gefülltes Reservoir an Erfahrungen nahm verschiedene Gestalt an: in Romanen (sein erster hieß Burn, Baby, Burn (1935)), Drehbüchern, eigenen Filmen, Filmrollen bei anderen und in seiner 2002 erschienen Autobiografie A Third Face.
Zu seinen besten – aber am wenigsten populären und in Deutschland nach wie vor nicht erschienenen – Filmen gehört Park Row (1952). Wie vielen herausragenden Filmen merkt man auch ihm schon im Vorspann das Besondere an.

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Er führt zunächst die Namen aller 1.772 Tageszeitungen der USA auf, überblendet mit fast schon agitatorischen Zwischentiteln: »One of them is the paper you read«. »All of them are the stars in this story«. Die »Story« geht zurück in die 1880er Jahr, als die Park Row die Schlagader des New Yorker Zeitungsviertels war. Phineas Mitchell (Fuller: »a reporter with a nose for the news and a respect for the truth«) träumt am Tresen einer Bar von einer eigenen Zeitung. Sein – nüchtern – ausgerufenes Konzept wirkt ein wenig naiv, ist aber noch heute erhellend: »I’d call it The Globe. I’d make the best newspaper on Park Row. I’d give away free ice and coal and summer excursions. Christmas dinner for the poor. That would make ‘em happy, and make news. News makes readers, readers makes circulation, and circulation makes advertising. And advertising means that I’d print my newspaper without the support of any political machine.« Zauberhafter Weise ist ein Investor anwesend, der sich ins Herz getroffen fühlt. So entsteht The Globe. Mitchell wird bald darauf von einer Konkurrentin auf jede erdenkliche Weise ins Herz getroffen, sein Spürsinn für das Neue, die Neugier auf Innovation rettet ihn jedoch: er investiert in die Anschaffung der nicht lange zuvor erfundenen Linotype-Setzmaschine. Am Ende hilft Mitchell, frei nach der Biographie des New York World-Verlegers Ralph Pulitzer, auch noch bei der Errichtung der Statue of Liberty.

Apropos Zeitungswesen, dieses dankbare Sujet großer und kleinerer Filme: die Dokumentarfilmregisseurin Ulrike Knorr hat in ihrem Film Kurzer Abriss den Arbeitsalltag in einer bereits 1856 gegründeten Papierfabrik in Sachsen gefilmt. Es entstanden unvergessliche Bilder.

Kurzer Abriss (2003)

Kurzer Abriss (2003) – Sorgfalt...

Kurzer Abriss (2003)

... und Unglück bei der Produktion von Zeitungspapier.

Auch an der Linoytpe-Setzmaschine sind Filmemacher nach wie vor interessiert.

Setzmaschine Linotype (2011)

Setzmaschine Linotype (2011)

Zurück zu Park Row. In A Third Face erinnert sich Samuel Fuller an ein Treffen mit dem legendären Filmproduzenten und Vize-Präsidenten der 20th Century Fox Darryl F. Zanuck. Beide verband eine jahrelange erfolgreiche Arbeitsbeziehung. Fuller wollte Zanuck überzeugen, seinen Film Park Row zu finanzieren. »Zanuck shared my enthusiasm for the story but wanted major changes, beginning with the title.« In Old Chicago war eine Zanuck-Produktion von 1938, ein Musical mit Tyrone Power. Der (über zehn Jahre zurückliegende) Erfolg dieses Films war Grund genug für Zanuck vorzuschlagen, aus Park Row ein Musical namens In Old New York zu machen. Fullers Reaktion war entsprechend: »›A musical?‹ I cried. ›For Chrissakes, Darryl, you want to make Park Row into a musical? It’s a little black-and-white-picture, a period piece. It has to look real. It has to be intimate and powerful.‹«

Fuller finanzierte den Film selbst. Der Legende nach hob er seine ersparten 201.000 Dollar von der Bank ab, kaufte für 1.000 Dollar Zigarren und Wodka. Mit dem Rest drehte er Park Row in nur 14 Tagen. Eine gute Story. »I wasn’t angry with Zanuck«, schließt Fuller. »He was a studio boss with his own priorities. Yet, he was always a straight shooter, unflinchingly supportive of me, fair even when we disagreed.«
Allein, Samuel Fuller bewies das bessere Gefühl für seinen Film, bis zum recht pathetischen finalen Bild. Auch beim Schlusstitel setzte er die Eigenheiten seines Gegenstandes über die Konventionen: statt »The End« steht nun am Ende von Park Row schlicht »Thirty«. Guter alter Reporterslang…

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