… zum Beispiel: rauchende Kinder

»Ohne das Rauchen wäre diese Welt nicht zu ertragen«, heißt es so schön wie unzeitgemäß in Andy Warhols Bad. Welche Faszination heute, 35 Jahre später, gerade von Kindern ausgeht, die Zigaretten rauchen, lässt sich an der Medienkarriere des achtjährigen Indonesiers Adi Ilham verfolgen. Innerhalb weniger Tage eroberten die Bilder eines indonesischen Fernsehteams das Internet und rufen zum Selbsttest auf: Wie wirken sie zum Beispiel auf Spiegel Online, mit Off-Kommentar aufgepimpt und mit einer vor Gesundheitsbewusstsein nur so strotzenden Erdgas-Werbung im Vorprogramm? Und was sagt einem im Gegensatz dazu die lediglich untertitelte Fassung des britischen Telegraph?

Eight year old Indonesian boy smokes two packs of cigarettes a day (2012)

Eight year old Indonesian boy smokes two packs of cigarettes a day (2012)

Ist das morbide, unmoralisch, kriminell, anarchisch? Schaut Adi Ilham am Ende nur so steinerweichend in die Kamera, weil er unter seiner Nikotinsucht leidet oder weil ihm die mediale Aufmerksamkeit doch irgendwie unheimlich ist?
Im Gegensatz zur sensationsfixierten, affektgetriebenen News-Welt sind rauchende Kinder im Kino eine Seltenheit. Sie stellen die Welt auf den Kopf. Jutro bedzie lepiej (Tomorrow Will Be Better) der polnischen Regisseurin Dorota Kedzierzawska erzählt von drei russischen obdachlosen Kindern und ihrem abenteuerlichen illegalen Übertritt der Grenze nach Polen. Ihre Handlungen sind uns eher von Erwachsenen vertraut. Sie katapultieren die Kinder als Handelnde in ein geradezu zeitloses Zwischenreich, banalisieren was passiert und überhöhen es gleichzeitig. Das Ergebnis ist: tragisches, qualmendes Heldentum. Im Gegensatz zum Film begnügt sich der Trailer mit gestischen Andeutungen…

Tomorrow Will Be Better (2010)

Tomorrow Will Be Better (2010)

Anlässlich der Premiere des Films auf der Berlinale 2010 erzählte die Regisseurin Dorota Kedzierzawska von den Umständen der Dreharbeiten.

Dorota, in Ihrem Film Jutro bedzie lepiej rauchen die drei Hauptdarsteller, allesamt Kinder, wie kleine Schlote. Das sind ungewöhnliche Szenen.

Die Mutter der Kinder raucht unheimlich viel zuhause. Die leben alle zusammen, in einem kleinen Zimmer.

Ihre drei Hauptdarsteller sind tatsächlich Brüder?

Ja, da hatten wir Glück. Im Drehbuch stand ja auch, dass sie Brüder sind. Also konnten sie sich sozusagen selbst spielen. Als wir mit ihnen in der Vorbereitung über das Rauchen sprechen wollten, stellte sich heraus, dass ihnen das alles andere als fremd war.

Sogar der Jüngste ist Raucher?

Ja, er hat uns erzählt, dass er immer, wenn er alleine zuhause ist, seiner Mutter Zigaretten klaut und versucht, zu rauchen.

Gab es auch Regieanweisungen, denen die Kinder widersprochen haben?

Ja, laut Drehbuch sollten sich die großen Brüder ständig prügeln. Das war ein großes Problem. Die wollten sich einfach nicht prügeln. Wir haben einen halben Tag daran gedreht und mussten das Material stark schneiden, weil sie die ganze Zeit gelacht haben.

Wie geht es den Jungs jetzt?

Die beiden Jüngeren sind mit uns hier auf der Berlinale, sie machen dauernd Faxen und haben viel Spaß. Der Jüngste hat mittlerweile auch neue Zähne. Aber wir haben leider den Kontakt zum Ältesten verloren. Der hat versucht, nach Schweden abzuhauen und ist dann wahrscheinlich wieder nach Tschetschenien abgeschoben worden. Er wird sicherlich irgendwann wieder auftauchen.