… zum Beispiel: das Analoge und Digitale – Teil 2

Keanu Reeves: »Are you done with film?«
David Lynch: »Don’t hold me to it, Keanu, but… I think I am.«

99 Minuten lang befragt Keanu Reeves in dem Interviewfilm Side by Side Kolleginnen und Kollegen zu den Auswirkungen der digitalen Revolution auf die Kino- und Filmindustrie. Passend zur vor einiger Zeit gemeldeten Einstellung der Produktion analoger Filmkameras steht dabei die Umstellung von der analogen zur digitalen Kameraästhetik im Vordergrund. Der Film von Regisseur Chris Kenneally ist aufgrund seiner weiteren Perspektive – Reeves Interviews berücksichtigen neben den Departments Kamera und Regie auch den Schnitt und die weitere Bildbearbeitung – eine interessante Ergänzung zu Don’t Try This At Home . In ihm haben sich die Kameramänner Robby Müller, Benedict Neuenfels und der ebenfalls in Sidy By Side präsente Anthony Dod Mantle bereits vor sechs Jahren über den Einzug des digitale Bildes im Kino geäußert. Doch leider widmet sich Side By Side vor allem der technischen Seite, was dazu führt, dass diese Dokumentation streckenweise die Anmutung eines Industriefilms und sogar einer reinen Produktwerbung bekommt. Minutenlang wird auf die neuesten Generationen von Sony-, Red- und Canon-Kameras eingegangen, entscheidende Aspekte des Themas werden derweil vernachlässigt.

Side By Side, Trailer (2012)

Side By Side, Trailer (2012)

Als im Rahmen der Berlinale Side By Side nun in Berlin vorgestellt wurde und sich Kenneally samt Reeves zu einer anschließenden öffentlichen Fragestunde im Haus der Berliner Festspiele einfanden, erkundigte sich eine junge Frau aus dem Publikum nach einem Satz, den Martin Scorsese ihrer Erinnerung nach im Trailer zu Side By Side gesagt habe: »›Digitaler und analoger Film, das sind zwei verschiedene MEDIEN‹. Warum wurde dieser Satz aus dem fertigen Film herausgeschnitten?« Die junge Frau, die sich als Regisseurin vorstellte, fügte hinzu, »für uns Künstler« sei die Tatsache essentiell, dass es sich bei digitalem und analogem Film um verschiedene MEDIEN handelt. Auf das Anliegen der jungen Frau wurde nicht weiter eingegangen – sie hatte Recht im Unrecht. Wie man im Trailer nachvollziehen kann, spricht Scorsese nicht von verschiedenen Medien, sondern von »issues«, mit denen umzugehen die Aufgabe jedes einzelnen Regisseurs sei. Wie allerdings die Regisseure, oder auch »die Künstler« eben damit umgehen, ist in Side By Side jenseits von »mehr Sauberkeit des Bildes, mehr Kontrolle über das Bild« nur am Rande zu sehen – und dann vor allem retrospektiv, im Bezug auf Dott Mantles Arbeit an Tomas Vinterbergs Dogma 1 – Das Fest. Dass David Lynch im Gegensatz zu Christopher Nolan den analogen Film für verzichtbar hält – schön und gut, aber angesichts der doch sehr unterschiedlichen künstlerischen Ansätze dieser beiden Regisseure bleibt das eine banale Aussage, mit der sich Side By Side leider zufrieden gibt. Eine Überraschung hat der Film trotzdem zu bieten: Zwischen all den Scorseses, Lucas’, Nolans, Camerons und von Triers, die Keanu Reeves befragt, taucht eine junge, noch so gut wie unbekannte Regisseurin auf – auch im Trailer. Es ist Lena Dunham, die gerade mal zehn Jahre alt war, als Das Fest in die Kinos kam. Sie ist mit der digitalen Technologie aufgewachsen. In Side By Side ist sie unter anderem bei den Dreharbeiten zu ihrem Kinodebüt Tiny Furniture zu sehen und wird so ganz nebenbei, aber immerhin, als Filmemacherin einer neuen Generation eingeführt. Man sollte sie im Auge behalten, im April startet ihre Serie Girls auf HBO.

Tiny Furniture, Trailer (2010)

Tiny Furniture, Trailer (2010)